Ja! Es gibt sie noch: Die tollen Kinder und jungen Erwachsenen. Die, mit denen Lernen, Unterrichten, Arbeiten einfach Spaß macht. Die, die gut erzogen sind, die „normal“ sind, die nett und witzig sind. Die, die nicht alles und jeden doof finden oder schlicht und ergreifend zu cool sind für Schule. Es gibt sie noch, und zwar in großer Zahl. Sie sitzen in meinen Klassen und Kursen in der Schule und beeindrucken mich Tag für Tag aufs Neue mit ihren Ideen, ihrer Fürsorge anderen Kindern gegenüber, ihren ausgebufften Flunkereien, ihrem großem Drang einfach noch ein bisschen Kind sein zu dürfen.

Ich habe in meiner 5. Klasse ein Zwillingskind sitzen, dessen Bruder in der Parallelklasse ist. Am Nachmittag hatten die beiden zuletzt so gar keine Lust auf „Lernzeit“ (Hausaufgabenbetreuung) und haben kurzum entschlossen, zu schwänzen. Nicht gut! Natürlich nicht gut!
Das wussten sie wohl auch … und entschuldigten sich einfach mal SELBST vom Nachmittagsbereich. Sie schrieben sich gegenseitig Entschuldigungen und fälschten die Unterschrift ihrer Mutter. Durch diverse Rechtschreibfehler und die merkwürdigen Unterschriften flog es natürlich schnell auf und es gab entsprechend Sanktionen.

Diese Beschreibung passt nicht zu den Kindern, die ich weiter oben beschrieben habe?

Doch!

Natürlich ist es absolut falsch, die Unterschrift zu fälschen. Ich heiße das in keinster Weise gut. ABER, und ja, ich traue mir hier ein Aber zu: Es sind Kinder. Es sind zwei Jungs, die mir im Nachhinein erklärten, sie wollten mit ihrem Freund spielen, anstatt Hausaufgaben in der Schule zu machen.

Die beiden waren sich überhaupt nicht darüber im Klaren, wie falsch das ist, was sie sich da überlegt hatten. Sie sind elf Jahre alt und wollten einfach spielen. Ich kann es verstehen. Ich kann es echt verstehen. (Darf ihnen das aber so natürlich nicht sagen …)

Gestern gab es Zeugnisse und eine Schülerin aus meiner 5. Klasse hat einfach so für alle Muffins gebacken. Sie erklärte es mit den Worten, dass sich vielleicht nicht jeder auf das Zeugnis freut und die Muffins für diejenigen „Trost-Muffins“ sein sollten. Für diejenigen, die sich über ihr Zeugnis freuten, sollten es „Happy-Muffins“ sein.

Ist das nicht süß? Ich fand es stark!

Ein anderes Kind ist/ist nicht in eine Mitschülerin verliebt. Es ging ein klassischer Zettel rum mit der Aufschrift „Xy liebt Xyz“. Das hat ihm sehr zugesetzt.
Was hat dieser Schüler daraufhin gemacht? Er fragte mich, ob er kurz der ganzen Klasse etwas sagen dürfte.
Er durfte.
Er teilte der ganzen Klasse vorne stehend mit, dass er nicht mehr darauf angesprochen werden wolle, ob er nun in Xyz verliebt sei oder nicht. Das sei seine Sache und es mache ihn traurig, wenn alle „sowas“ sagten.
Meine Klasse hat daraufhin nicht gekichert, nicht getuschelt. Alle Kinder hörten zu und danach war Ruhe. Sie arbeiteten weiter. Einfach so. Xy auch. Das Thema war geklärt.

Das, was Xy sich da getraut hat, bekommt so manch Erwachsener nicht gebacken. Oder?

Ich bin richtig stolz die Klassenlehrerin von so tollen KINDERN zu sein und immer wieder verblüfft, wie viel ich von ihnen lernen kann.

… Wäre das jetzt hier ein Instagram-Post, würde ich wohl so enden: #lovemyjob