Mein Mann und ich haben uns früh einen Hund zugelegt, nach neun Jahren Beziehung geheiratet, ein Häuschen gekauft, dann ein Baby bekommen. Bilderbuch! Friede, Freude, Eierkuchen! So „soll“ es laufen in unserer Gesellschaft. Wir haben alles richtig gemacht.

Die Fragen nach dem Kinderwunsch waren VOR dem Baby gar nicht so schlimm, sie hielten sich tatsächlich in Grenzen, obwohl ja von außen betrachtet, dann mal so langsam echt ein Baby kommen sollte … ne?

Die Fragen, Bemerkungen, Zaunpfähle, die NACH dem Baby kamen und immer mehr kommen, sind leider schlimm, sie halten sich nicht Grenzen uns sind schlichtergreifend unsensibel.

Unsere fabelhafte Tochter wird im April drei Jahre alt. Sie ist das Beste in unserem Leben, wir sind wahnsinnig stolz auf unsere Maus, die schon ganz selbstständig ist, den ganzen Tag quasselt, die beste Freundin unseres Hundes und insgesamt so witzig ist, die meistens super drauf und einfach ein tolles Kind ist.
Es läuft seit Längerem wirklich gut bei uns zu Hause – abgesehen von den Kita-Viren, die uns ca. alle 14 Tage heimsuchen (Hilfe!!). Wir genießen das Leben zu Dritt mit Hund. Alles hat sich prima eingespielt. Alles ist gut. Eigentlich.

Aber sie ist ja fast schon drei!

„Wann plant ihr denn das Nächste?“
„Ein kleinerer Abstand zwischen Geschwistern ist ja besser.“
„Ihr wollt doch kein Einzelkind großziehen, oder?“
„Ein Kind, ist kein Kind.“
„Und bei euch? Kein zweites Kind geplant?“
„Es ist ja sehr wichtig für die Entwicklung, dass Kinder auch mal teilen müssen.“

Niemand fragt uns, OB wir ein zweites Kind planen, nein wir – vornehmlich ich – werden immer nur gefragt, WANN?

Dass diese Fragen, diese Bemerkungen, völlig unsensibel sind, bemerkt wirklich keiner? Weder die Schwiegermutter, noch die männlichen und die weiblichen Kollegen? Weder die anderen Mütter noch die Kinderlosen? Auch die Nachbarin hat keinen blassen Schimmer davon, dass diese Frage in einen absolut persönlichen Bereich übertritt? Niemand hat mal daran gedacht, dass diese Entscheidung ausschließlich meinen Mann und mich etwas angeht? Und, und das macht mich am traurigsten und wütendsten zugleich: Niemand kommt auch nur auf die Idee, dass man den Abstand zwischen Geschwistern nicht immer planen kann? Keiner überlegt, bevor er die Frage stellt, ob es vielleicht gar nicht in unserer Macht steht, dass wir ein zweites Kind bekomme. Manchen Familien ist ein zweites Kind eben einfach nicht vorherbestimmt. Vielleicht klappt es nicht so schnell wie beim ersten Mal oder es klappt sogar gar nicht, aufgrund von Erkrankungen oder Erschöpfung. Vielleicht bestehen traumatische Erlebnisse, die einen auch nach drei Jahren noch nicht loslassen. Vielleicht wollen manche Menschen auch einfach nur ein Kind großziehen und sind total zufrieden mit einem Kind und sogar glücklich.

Es gibt so viele verschiedene Beweggründe, um gar kein Kind, kein zweites oder fünf Kinde hintereinander zu bekommen. Niemand, der diese überaus persönliche Frage stellt, hat eine AHNUNG, welcher Grund dahinter steckt. Braucht auch niemand zu haben. Es geht niemanden etwas an!
Ich für meinen Teil kann nur sagen, dass in den allermeisten ein emotionaler Grund dahintersteht. Selbst Freundinnen von mir, die sich bewusst gegen Kinder in ihrem Leben entschieden haben, fällt es schwer, darauf zu antworten, weil sie sich immer wieder rechtfertigen müssen und ein schlechtes Gewissen entwickeln, weil sie ja dem Wunsch der Gesellschaft nicht nachkommen.
Jeder, der fragt, löst damit etwas aus. Grübeln, Hinterfragen, Traurigkeit. Es ist verdammt dünnes Eis, auf dem sich das ganze Thema abspielt.

Lasst doch bitte die Frauen (und Männer) selbst davon anfangen. FALLS wir darüber reden möchten, werden wir uns schon jemanden zum Quatschen suchen: Eine Freundin, einen Freund, die eigene Mutter oder sonst jemand, dem wir vertrauen, der uns gut kennt. Sicherlich aber nicht die Nachbarin, die auf den Bauch starrt und das zweite Baby vermutet, sicherlich auch nicht den kinderlosen, männlichen Kollegen.

Ich grübel immer nach der besten Antwort auf diese Fragen. Mir fällt nichts ein, was vermutlich daran liegt, dass mich diese Fragen aufwühlen und traurig machen.
Habt ihr eine Antwort, die schnell für Ruhe sorgt beim Gegenüber, ohne dass man zu emotional reagiert?

Habt ein schönes Wochenende!