Uiuiui, meine Tochter ist fast 21 Monate alt und schon so richtig in der Trotzphase. Pädagogisch wertvoll formuliert, befindet sie sich in der Autonomiephase 🙂

Ich weiß, wie wichtig diese (schwierige und vor allem laaaange) Phase für die Entwicklung eines jeden Kindes ist. Sie lernen ihre und andere Grenzen kennen, üben sich durchzusetzen, erkennen, dass sie wichtig sind und Dinge bewirken können, müssen aber eben auch verstehen lernen, dass es Grenzen gibt: Grenzen von anderen Menschen gesetzt und auch Grenzen in ihrem eigenen Schaffungsraum.
Es ist gleichzeitig ein Abnabelungsprozess, weil sie immer eigenständiger werden und viel alleine machen möchten; und können.

Puh! Das ist ganz schön viel für die Kleinen.

Bei uns sieht diese Phase, wie auch immer man sie nennen möchte, folgendermaßen aus:

Kind (ruhig): „Haben! Haben! Haben!“ – dabei streckt sie ihre Arme und Hände in Richtung des Objekts ihrer Begierde, z. B. zu ihrem Becher, der hoch oben auf dem Tisch steht. 
Mutter (tiefenentspannt): „Möchtest du deinen Becher haben? Klar, ich gebe ihn dir. Hier, mein Schatz.“
Kind (weniger ruhig, Kopf schüttelnd, lauter werdend): Nein! Nein! Neieeen! Na-hei-eeen!!!
Mutter (tiefenentspannt *räusper*): „Möchtest du ihn doch nicht haben? Mmmmh, … okay. Ich stelle ihn wieder weg.“
Kind (wütend, laut, weinend): „Na-heiiiiiin! Haben! Haben! Becher! 
Mutter (pädagogisch wertvoll tiefenentspannt): „Schatz, möchtest du ihn noch mal haben, um etwas zu trinken?“
Kind (immer noch laut, wütend, aber wieder hoffnungsvoll): „Becher, Becher. Haben!“
Mutter (rabenmutterähnlich das Kind überfordernd): „Okay, aber was sagt man denn, wenn man etwas haben möchte? („Zauberwort“)“
(Anmerkung der Mutter: Sie kennt und benutzt das Wort oft und sehr gerne.)
Kind (völlig am Ende und laut und wütend): „Na-ha-ha-ha-ein. *schluchz*“
Da das natürlich nicht das richtige Zauberwort war, gebe ich ihr den Becher nicht noch einmal – Ich bin fies.

Dieses Spiel – für die Maus sehr anstrengend – könnte ewig lange so weiter gehen. Sie regt sich dann – in ihrer Welt völlig zu Recht – so stark auf, dass sie sich manchmal sogar verschluckt vor lauter Schluchzen.

Ich versuche dann, ihr den Raum zu geben, sich noch ein bisschen zu ärgern, aber dann auch davon abzulassen, indem wir uns gemeinsam ablenken. Eine Ablenkung kann ein Buch sein (sie liebt Bücher), raus gehen und einfach ein bisschen herumlaufen – auf jeden Fall aber den Raum wechseln, kochen oder backen in der Küche oder einfach hinsetzen und irgendwie runterkommen (mit Spielen).

Diese Wutanfälle kommen tagesformabhängig. Es gibt viiiiele Tage ohne jegliche Art von Wut. Und dann, ganz plötzlich, wie aus dem Nichts: Tadaaaa, heute bin ich stinkwütend, Mama. Den ganzen Tag! Mach dich was was gefasst. Das wird kein Zuckerschlecken.
Das ist es wirklich nicht. Oh nein, wirklich nicht!

Es ist verdammt schwer, geduldig und ruhig zu bleiben und nicht rumzubrüllen. Es kann einen wirklich an den Rand des Wahnsinns treiben, wenn – in meiner Welt – etwas völlig Irrelevantes zu einer so großen und scheinbar unbändigen Wut hochkocht.
Brüllen bringt echt nichts. Gar nichts. Ich hab es probiert. Außer dass ich anschließend ein furchtbar schlechtes Gewissen habe und kurz davor bin, mich nach Anti-Aggressions-Kursen zu erkundigen, bringt es nichts.
Ja, gut, es macht ein bisschen mehr Luft. Das stimmt schon. Wer generell dazu neigt, seinem Ärger Luft zu machen, sollte sich nicht grundlegend verstellen. Das ginge auch gar nicht und wäre auf Dauer ungesund. TROTZdem (haha, wie passend) will ich selten laut werden, bzw. Nein: Ich will oft laut werden … werde es aber selten! So 😉 Tatsächlich führt es zu einem viel größeren Erfolg, weitestgehend ruhig zu bleiben, und mal kurz das Zimmer zu verlassen oder zumindest ein bisschen Abstand zwischen wütendem Kind und Mutter zu schaffen. Wenn das nötig ist, rufe ich ihr immer zu, dass ich „hier“ bin, dass ich für sie „da“ bin. Sie soll wissen, dass sie nicht alleine ist. Das hilft ihr erstaunlich gut. – Und mir auch.

Dieses ganze schlimme Trotzphasen-Gedöns hat aber auch etwas wirklich Schönes, etwas unglaublich Nahes und Wichtiges: So schnell wie die Wut machmal kommt, verschwindet sie auch wieder. Und dann möchte sie zu mir, drückt mich ganz fest, gibt mir ein Küsschen und sagt (tiefenentspannt): Mama. Lieb.