Ich war lange Zeit der Meinung, ich müsse – genau wie alle anderen Mütter – einen Pekip-Kurs mit meiner Tochter besuchen. Zusätzlich zu einem Baby-Schwimmkurs, zum Rückbildungskurs mit Baby und zum Kurs mit dem Titel „Babys in Bewegung“. Wenn ich das jetzt so lese, fällt mir ganz schnell auf, dass das wohl etwas (zu) viel des Guten war. Aber noch vor ein paar Wochen sah das anders aus.

Getrieben von irgendeinem verrückten und gemeinen Stimmchen, das mir immer wieder zu flüstern schien: ALLE machen Babykurse, das ist ein Gesetz. Das ist so gut für dein Baby und auch für dich. Babykurse sind total wichtig – Frühförderung und so. Mach das, mach das, mach das! Du musst ja auch mal rauskommen, unter Leute, unter Gleichgesinnte. Aujaaaa, ich mach alles 🙂

Verrückt und vor allem falsch.

Den Schwimmkurs haben wir im Vorfeld schon wieder abgemeldet, da uns plötzlich ganz einfach der Mut verloren ging. Zum Einen wurde uns immer wieder gesagt: An Babys Haut kommt am besten nur Wasser – reines, klares Wasser. Keine Zusatzstoffe, nix. Diese Meinung teilen mein Mann und ich auch, es ist irgendwie nachvollziehbar. Aber ein Baby-Schwimmkurs im Chlorwasser ist super? Dann ist es egal, womit die sanfte, unverdorbene Babyhaut in Berührung kommt? Zum Anderen dachten wir plötzlich über das ganze Prozedere nach: Baby startklar machen – bedeutet, sie muss satt, aber nicht zu satt sein (klar, sonst wird ihr vermutlich im Wasser schlecht …), sie muss gut drauf sein – und das auch noch bis wir im Wasser sind, also nachdem wir hingefahren sind, und uns alle umgezogen haben. Am besten ist sie auch noch nach dem Kurs gut drauf, denn dann müssen wir uns wieder alle umziehen und nach Hause fahren. Puh! Plötzlich erschien uns der Schwimmkurs nur noch als zusätzlicher Stress am Wochenende.

„Babys in Bewegung“ war ein toller Kurs, aber leider irgendwie doch viel zu weit zu fahren.

Lange konnte ich keinen Pekip-Kurs in meiner Nähe finden, der noch freie Plätze zu vergeben hatte. Kurze Anmerkung: Fünf Wochen vor (!) Kursbeginn waren alle 17 (!) Kurse in meiner Stadt belegt. Ich hatte jedoch Glück und rutschte von der Warteliste auf die Teilnehmerliste, da eine Mutter abgesprungen sei. Ich hatte mich richtig gefreut und konnte das erste Mal kaum erwarten. Tjaaaa …

Pekip (Das Prager-Eltern-Kind-Programm) erschien mir als eine wirklich sinnvolle und wunderbare Beschäftigung für uns beide. Ich kann mir gut vorstellen, dass es eine schöne Erfahrung für viele ist. Für mich irgendwie nicht!

Neun Babys, neun Mütter, ein Vater und eine Gruppenleiterin … mittendrin meine Tochter und ich: offen für Neues, erwartungsvoll und neugierig.

Nachdem uns die Gruppenleiterin zu Beginn erklärt, dass es sinnvoll und hilfreich wäre, wenn unsere Babys ausgeschlafen zum Kurs erscheinen, dreht sie das Heizöfchen auf, da die 35 Grad draußen und die gefühlten 40 Grad innerhalb des Raumes scheinbar nicht ausreichen, um die Babys nicht erfrieren zu lassen. (Alle Babys sind nackt im Pekip-Kurs, auch die Windeln werden ausgezogen. Das macht Sinn, keine Frage, denn sie können sich nackt besser und unbeschwerter bewegen.) Da sitzen wir nun, völlig durchgeschwitzt (meine Tochter genau wie ich) und warten auf noch meeeehr Spiel- ähm, Verzeihung- Fördermaterial. Es gibt Rasseln, Knisterpapier, Bälle, Matratzen, weiches, festes Material, allerhand zum Greifen, es wird gesungen, geklatscht UND Pipi UND Spucke weggewischt. Die ganze Zeit. Es wird immer heißer, es wird immer lauter, viele Babys weinen – meine kleine Maus auch. Ich trage sie – nackt – werde pepieselt, dann bespuckt, … puh, es ist sooooo heiß in diesem Raum. Die Gruppenleiterin erklärt mir, dass ich auch ruhig früher gehen könne, wenn das zu stressig werde. Dann wendet sie sich den anderen zu und sagt, sie wolle weitersingen, sobald es wieder ruhiger geworden ist (total nett, oder?) Ich ziehe also mein weinendes Baby wieder an (klappt ganz toll, da sie nass geschwitzt ist und alles so schön klebt), wir wünschen lächelnd ein schönes Wochenende und verschwinden im Flur.

Im Auto sitzend geht es meiner Tochter plötzlich wieder gut. Mir jedoch gar nicht. Ich muss plötzlich weinen und fühle mich furchtbar. Liegt es an mir? Kriege ich alle diese Kurse einfach nicht hin? Warum klappt das bei den anderen so gut und bei uns nicht? Bin ich zu gestresst und meine Tochter merkt das? Ich wollte das doch so gern, mich austauschen, Spaß haben. Ich fühle mich schrecklich und einsam – und schrecklich einsam.

Nach ein bisschen guter Musik im Auto und einem Gespräch mit einer Freundin, geht es bergauf mit mir und ich finde ein kleines bisschen zu meinem Selbstvertrauen zurück: Ich kann OHNE Pekip und andere Kurse meine Tochter glücklich machen, sie wird sich höchstwahrscheinlich auch so sehr gut und völlig normal entwickeln. Ich vermute sogar, sie benötigt dafür keinen überhitzten Raum, in dem sie nackig herumtrampeln kann. Sie und ich sind ein super Team. Warum nur dieser Stress? MUSS man wirklich Babykurse belegen, um eine gute Mutter zu sein? Nein!

Es ist schade, dass wir vermutlich einfach ein wenig Pech hatten mit der Gruppenleiterin. Aber auch unter anderen Umständen musste ich einfach feststellen: Das ist – zumindest momentan – einfach nichts für mich. Bis ich mir das aber eingestanden habe, mich getraut habe laut zu sagen: „Ich bin nicht der Typ für Babykurse“, dauerte es eine ganze Weile. Ich hatte so lange das Gefühl, mindestens einen Kurs machen zu müssen, weil es ganz einfach alle zu machen scheinen und alle alles toll finden.

Dass ich mir über etwas wie Babykurse mal so viele Gedanken machen werde, hätte ich vor der Mutterschaft (Fürchterliches Wort) wirklich nicht vermutet. Heute kann ich sogar schon wieder drüber lachen 😉